Saturn kehrt heim

Eine Glosse von Petra Dörfert

Ich gestehe ein, dass ich Saturn in Steinbock gar nicht erwarten kann, denn dann ist er runter von meinem Schütze-AC. Schluss mit der Spaßbremserei und endlich dort, wo er hingehört – ins Kloster, aufs Amt, auf den Berg!
Gibt ein Planet ein Heimspiel, erwartet man Dopplereffekte unter Ausbleiben von Reibungsverlusten. Was sich in etwa so anfühlt wie Prinzessin Kate im Buckingham Palace: Strahlend erfüllt sie ihren Dienst und allen gefällt’s.

Saturn kommt heim…

Wobei zu viel Perfektion manchmal auch dazu führen kann, dass man sich von der Palastmauer gar nicht mehr abhebt oder gleich für ein Ahnenporträt gehalten wird, das seltsamerweise spricht.

Ähnlich geht’s momentan übrigens dem in den Fischen abgesoffenen Neptun – der gerade den besten Trip seit 165 Jahren erlebt, aber keiner merkt’s. Planet im Domizil ist wie Grünfrosch auf Blatt oder Eisbär auf Scholle – Mimikry pur.

Wobei Saturn in seinem Zeichen allerdings weniger abhängen dürfte als andere Planeten auf Heimaturlaub: Vermutlich wird er wie am Fließband controllen, Zen meditieren und Marathon laufen, endlich von keinem gehindert, benörgelt und kritisiert. Aktivurlaub könnte man sagen.

Kehrt man von einer weiten Reise zurück, muss man allerdings erst mal lüften und nach dem Rechten sehen. So wie Odysseus zum Beispiel, dem auch ein paar Leutchen im Wege standen, bevor er am trauten Herd die Füße ausstrecken konnte. Odysseus war jedoch kein Saturntyp, sonst hätte er nicht so geberserkt, sondern einfach Strafzettel verteilt oder die 110 angerufen, falls sich überhaupt irgendwer eine solche Nummer mit ihm erlaubt hätte.

Saturns Heimkehrerjob wird eher darin bestehen, einige verpeilte Steinbockplaneten auf Vordermann zu bringen, deren Besitzer noch nicht geschnallt haben, warum ihnen das Universum eine Extraportion Hornvieh verpasst hat.

Ich erwarte jedenfalls, dass die nächsten 2½ Jahre die Züge pünktlicher fahren werden und mein Steuerbescheid schneller im Kasten liegt. Sie sehen, ich bin hemmungslos optimistisch – was mir auch Saturn auf meinem Schütze-AC nicht auszutreiben vermochte. Ehrlich gesagt hat er das aber auch gar nicht versucht. Er blieb respektvoll, wie könnte es anders sein, und hat mir nur ein paar Fältchen ins Antlitz gezaubert – ist ja auch bescheuert, diese ewige Jugend.

Den Betonköpfen, die sich in seinem Haus breitgemacht haben, wird er natürlich eins auf den Deckel geben müssen, denn dass Saturn der Planet der Fundis ist, glauben auch nur die Fundis. Saturn fordert den klugen Handel, der mal im Bewahren und Beharren, mal aber auch in Kompromiss und Veränderung bestehen kann. Wer denkt, er habe recht, nur weil er schon beim Urknall recht hatte, könnte jetzt frontal gegen den Chef prallen, und dann ist die Abmahnung noch das Mildeste. Anderen wird gleich das morsche Fundament unter der Hose wegrutschen.

Ist Saturn schließlich saturiert und möchte er es sich endlich doch auf dem Heimtrainer gemütlich machen, wird ihn das Schiller’sche Wort vom Frömmsten treffen, der nicht in Frieden leben kann, wenn es dem bösen Nachbarn etc. pp. Ich weiß nicht, ob bereits eine Doktorarbeit über das Wohnumfeld Schillers verfasst wurde, aber Schiller wusste, wovon er sprach: Heulen werden als Erstes die Krebse von gegenüber, die behaupten, dass noch schärfer rübergeschossen werde als sonst. Dabei wird einfach nur zu ihrem eigenen Besten mal Tacheles geredet. Wie uncharmant.

Widder finden’s hingegen besch…, dass ihnen schon wieder jemand Knüppel zwischen die Beine wirft. Aber das monieren sie immer, denn wenn wo ein Knüppel ist, dann laufen die Widder instinktsicher dagegen. Wäre ja auch langweilig sonst, diese ewige Stürmerei; könnte man ja gleich stehenbleiben und sterben.
Bei den Waagen soll Saturn dagegen ein gern gesehener Gast sein. Manche behaupten sogar, dass sie ihn auf ein Podest setzen würden!? Wenn Waagen das hören, wagen sie keinen Widerspruch, denn sie sind ja nett und reimen sich das mühsam zusammen: Ach ja, der Gerechtigkeitssinn, den teilt man schon, während das mit dem Ton freilich eine andere Sache ist – Schwamm drüber und immer schön lächeln.
Glücklicherweise gibt’s auch nette Nachbarn, die natürlich nicht ohne Erwartungshaltung sind. Das sind die Jungfrauen und Stiere von schräg gegenüber, die dem Steinbock-Saturn das Willkommensbanner ausrollen. Den Jungfrauen wird so, als würde ihnen der große Bruder nun nett auf die Schulter klopfen, den Stieren, als ob der Bankberater vorbeikäme, natürlich mit guten Nachrichten.
Aber auch die Skorpione und Fische, zwei Zeichen weiter, finden den Steinbock-Saturn einfach sexy. Warum man es liebt, an einem Felsklotz zu kuscheln, bleibt ihr Geheimnis, aber man muss ja nicht alles – etc. pp., wir sagten es schon.
Die Löwen und Zwillinge hingegen mosern, obwohl sie und Saturn sich über den Zaun eigentlich gar nicht recht sehen. Aber man weiß ja, wie das ist – manche Leute gehen schon vom Hörensagen und wegen harmlosester Wörtchen die Wand hoch.
Wird also wohl doch nichts werden mit Mimikry, jedenfalls nicht bei Saturn. Ich freue mich einfach auf eine Zeit klarer Ansagen.

Petra Dörfert ist beratende Astrologin und führt als Heilpraktikerin eine Praxis in Berlin-Mitte.

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