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Meridian 2019-3 mit dem Schwerpunkt: “Wie festgelegt ist der Mensch?”


Holger A. L. Faß

Chefredakteur Holger A. L. Faß


das Orakel von Delphi hatte Laios, den König von Theben, gewarnt: Sollte er je einen Sohn zeugen, würde dieser eines Tages seinen Vater, also ihn, erschlagen und seine Mutter, also Laios' Ehefrau, heiraten. Um diesem Fluch zu entgehen, veranlasste Laios, dass sein neugeborener Sohn getötet würde. Doch der Plan misslang, der Sohn überlebte und wuchs an einem anderen Ort heran. Eines Tages nun begegnet der Sohn dem für ihn fremden Laios; es kommt zum Streit, der Sohn tötet den vermeintlich Fremden. Später heiratet er dann tatsächlich die Witwe. So weit in aller Kürze die Mythologie von Ödipus.

Ein Musterbeispiel, wenn es um Fragen des Schicksals geht. Um dieses zu vermeiden, handelte Laios genau in der Art und Weise, die schließlich das orakelte Geschehen erst ermöglichte. Was wäre wohl passiert, hätte Laios nichts von der Prophezeiung gewusst? Können wir einer Vorbestimmung entgehen? Wenn wir als Astrolog*innen die Antwort darauf verneinen, kommen wir ohne einen Gott kaum aus: denn irgendjemand oder irgendetwas muss den Lauf der Dinge dann ja vorherbestimmt haben. Da die Positionen der Horoskopfaktoren in einer Radix festgezurrt sind, werden wir früher oder später gezwungen, Stellung zu nehmen zur Frage, ob der Mensch frei oder determiniert ist. Die vorliegende Meridian-Ausgabe soll Ihnen helfen, Ihre eigene Position zu beziehen.

Was heißt in diesem Zusammenhang eigentlich Freiheit? Angenommen, ich liebe klassische Musik und bekomme Kopfschmerzen von Heavy Metal; ist es ein Zeichen von Freiheit, wenn ich gegen mein Wohlbefinden ein Heavy-Metal-Konzert besuche? Und umgekehrt: Wenn ich nur tue, worauf ich Lust habe – bin ich dann nicht eher ein Sklave meiner Lust und unfrei? Marie von Ebner-Eschenbach bringt es auf den Punkt: "Wer an die Freiheit des menschlichen Willens glaubt, hat nie geliebt und nie gehasst."
Vielleicht lohnt es, den Begriff der Freiheit neu zu denken. Die amerikanische Familientherapeutin Virginia Satir hat das versucht und schlägt folgende fünf Freiheiten des Menschen vor:
1. Die Freiheit, zu sehen und zu hören, was im Moment wirklich da ist, statt was sein sollte, gewesen ist oder erst sein wird.
2. Die Freiheit, auszusprechen, was ich wirklich fühle und denke, und nicht das, was von mir erwartet wird.
3. Die Freiheit, zu meinen Gefühlen zu stehen und nicht etwas anderes vorzutäuschen.
4. Die Freiheit, um das zu bitten, was ich brauche, statt erst auf Erlaubnis zu warten.
5. Die Freiheit, Risiken einzugehen in eigener Verantwortung, statt auf Nummer sicher zu gehen und Neues zu meiden.
In diesem Sinne könnte auch das Unabwendbare, das, "was im Moment wirklich da ist", frei angenommen werden; oder verändert, wenn man sich die Freiheit nimmt, "Risiken einzugehen". Ein Beispiel, wie das im echten Leben aussehen kann, beschreibt Kirsten Buchholzer ab Seite 40. Ihr Artikel zeigt, wie schnell wir im astrologischen Alltag an die philosophische Grundfrage "Freiheit versus Determinismus" stoßen. Seien Sie also gewappnet!

Herzlich,
Holger A. L. Faß

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