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Meridian 2014-6 mit dem Schwerpunkt: “Astrologie und der Tod”



Markus Jehle

Chefredakteur Markus Jehle


was ist die beste Strategie im Umgang mit dem Tod? Ihn einfach zu ignorieren, verspricht allenfalls in jungen Jahren einen gewissen Erfolg, doch spätestens wenn das eigene Ende näher rückt, hilft das nicht weiter. Kürzlich las ich von einem Therapeuten, der seine Klienten auf einem Meterband einzeichnen lässt, wo sie sich ihrer Meinung nach gegenwärtig zwischen Geburt und Tod befinden. Dann lässt er sie ihre Lebenserwartung schätzen und schneidet mit einer Schere ab, was ihnen - in Zentimetern gemessen - an restlicher Lebenszeit verbleibt, verbunden mit der Frage, was sie mit diesem, zumeist vergleichsweise kleinen Rest anzufangen gedenken, und inwieweit es ihnen möglich sei, angesichts dessen so weiterzuleben, wie sie es bisher getan haben. Eine drastische Initiation, die ihre Wirkung sicherlich nicht verfehlt.

Manche sind der Meinung, dass ein intensiv und leidenschaftlich gelebtes Leben die beste Versicherung gegen den Tod darstellt. Das Schöpferische als Antagonist des Vergänglichen - eine zumindest erwägenswerte Strategie. Dass der Tod seine Selbstverständlichkeit eingebüßt hat, ist wohl auch ein Phänomen unserer auf Hedonismus und Jugendlichkeit getrimmten Kultur. Kaum jemand möchte noch etwas verpassen und strebt stattdessen danach, sein Leben in vollen Zügen auszukosten. Wer vermag sich da noch eingestehen, dass seine Zeit womöglich bereits abgelaufen ist?

»Der Tod muss abgeschafft werden, diese verdammte Schweinerei muss aufhören. Wer ein Wort des Trostes spricht, ist ein Verräter.« (Bazon Brock) Ein provozierender Gedanke, doch wäre ein Leben ohne Tod wirklich eine gute Lösung? Ist es nicht gerade unsere Endlichkeit, die das Leben erträglich macht? Würden alle Menschen noch leben, die je auf diesem Planeten wandelten, es wäre unser Untergang.

Gewiss, mitunter kommt der Tod zu früh oder erscheint uns aus anderen Gründen sinnlos oder vermeidbar, doch ohne ihn wären wir mit unserem Dasein wohl hoffnungslos überfordert. Das ewige Leben ist kein tröstlicher Gedanke, im Diesseits schon gar nicht. Alles muss ein Ende haben, sonst gelänge es uns nicht, überhaupt anzufangen. Lesen Sie dieses Heft daher ruhig bis zum Schluss, der Anfang ist gemacht.

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