von Ernst Ott

Auf seinen Sohn Chiron war Saturn nicht stolz, denn Chiron ist das, wofür Saturn sich schämte: Ein einziges Mal verstieß Saturn gegen die Regel und handelte völlig disziplinlos: Er begegnete der Nymphe Philyra, einem schönen Naturwesen. Ihre Reize machten ihn blind. Saturn verwandelte sich in ein Pferd und schwängerte sie – man könnte sagen, dass einfach der Gaul mit ihm durchging. Sofort schämte er sich für seine Triebhaftigkeit.

„Musstest du mich an meinen Fehltritt erinnern?“, könnte Saturn ausrufen. Chiron dürfte antworten: „Woran du dich erinnerst, ist deine Sache. Aber ich bin kein Fehltritt, sondern dein Kind.“ Doch Saturn schämt sich über diese alte Geschichte: „Du bist mir ein leibhaftiger Vorwurf auf vier Beinen.“

So heilt der Sohn den Vaterkonflikt des Vaters. Bei der Deutung des individuellen Horoskops muss sich das nicht immer auf den Vater beziehen. Man kann dann umfassender formulieren: Chiron heilt den Elternkonflikt der Eltern. Natürlich nur, wenn wir es in unserem Inneren zulassen.

Lesen Sie diesen Dialog der Archetypen, der zeigt, daß Chiron-Saturn-Aspekte ein Versöhnungsangebot darstellen können.

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