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Meridian 2011-2 mit dem Schwerpunkt: “Der rote Faden – Deutungstrategien”


Markus Jehle

Chefredakteur Markus Jehle


dieses Frühjahr brennt am Himmel ein besonderes Feuer. Es ist das Feuer der Begeisterung, angefacht vom Wind des Wandels. Wer dieses Feuer in sich trägt, der brennt darauf, Neues zu wagen und Altes hinter sich zu lassen. Wer jedoch zu viel davon in sich trägt, den könnte es verzehren, ebenso wie es denjenigen niederbrennen kann, der es zu fliehen sucht.

So gilt es sich also derzeit in der Kunst des rechten Umgangs mit dem Feuer zu üben, auf dass es einerseits nicht vorzeitig erlischt und sich andererseits nicht zum Flächenbrand entwickelt. Es sind gerade die heißen Länder im Norden Nordafrikas, in denen dieses Feuer nun erstmals aufgelodert ist. Zunächst scheint die Welt vor allem dort aus den Fugen zu geraten, wo sie sich zu lange schon dem Wandel widersetzt und verweigert hat. Doch dies ist erst der Anfang eines langfristigen Prozesses des Übergangs von der alten zu einer neuen Weltordnung. Nach Plutos Wechsel in Steinbock vollziehen nun auch Chiron, Uranus und Neptun einen Zeichenwechsel und läuten somit eine neue Ära ein, die von einer interessanten und paradoxen Dynamik gekennzeichnet ist.

Die feurigen Frühjahrs-Auslösungen im Zeichen Widder künden von einem entfesselten Prometheus, der göttliches Feuer unter die Menschen bringt. Der Wechsel von Chiron und Neptun in Fische kündet dagegen von Überschwemmungen im konkreten und übertragenen Sinne. Nicht nur riesige Landstriche, sondern auch die Seelen der Menschen werden »geflutet« – das Land vom Meer, die Seele vom Unbewussten. Während die einen rufen: »Hilfe es brennt!«, vermelden die anderen: »Land unter!« Während die einen auf die Barrikaden steigen und für ihre Überzeugungen kämpfen, gehen die anderen im Strudel der Ereignisse unter und sind auf Hilfe und Unterstützung angewiesen.

Es sind die Menschen der Tat, die dem Lauf der Welt in den nächsten Monaten einen großen Schub verpassen werden. Doch es braucht nun vor allem Mitgefühl und Empathie mit denjenigen, den es verwehrt ist, sich zu wehren. Das Recht des Stärkeren ist Ausdruck einer Schwäche, die es zu überwinden gilt.

Wir sitzen alle im selben Boot, sagt Neptun in Fische. Wir befinden uns in schwerer See und laufen demnächst auf Grund, sagt Pluto in Steinbock. Uranus in Widder verlangt volle Kraft voraus und Chiron in Fische meldet die ersten Lecks. Willkommen zur Kreuzfahrt. Es geht durchs kardinale Kreuz, und zwar durchs Große.

Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre.

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