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Meridian 2004-1 mit dem Schwerpunkt: “Sinn und Unsinn der siderischen Astrologie”



Markus Jehle

Chefredakteur Markus Jehle


ich kann mich noch gut daran erinnern, in welche Verwirrung es mich stürzte, als mir zum ersten Mal bewusst wurde, dass die Tierkreiszeichen mit den gleichnamigen Sternbildern nicht mehr übereinstimmen. Auf einen Schlag stand für mich die ganze Astrologie in Frage. Die Präzession der Erdachse, auf der die Verschiebung der beiden Messkreise (Tierkreis und Sternbilder) beruht, brachte damals kurzzeitig auch mein astrologisches Weltbild ins Wanken. Das ist lange her, und heute hege ich keinen Zweifel daran, dass die astrologischen Deutungen von Planeten- und Häuserstellungen anhand der Tierkreiszeichen stimmig und schlüssig sind. Dennoch erlebe ich in Diskussionen immer wieder, wie gerade Neulinge der Astrologie in die gleiche Verwirrung gestürzt werden, wie ich sie einst erlebt hatte. Verstärkt wird diese Verwirrung durch die zunehmende Ausbreitung der indischen Astrologie im westlichen Kulturkreis, da die indische Astrologie mit dem siderischen Tierkreis rechnet und arbeitet.

Ich bin neuen astrologischen Ansätzen gegenüber immer sehr aufgeschlossen, solange sie in sich logisch und stimmig sind und tatsächlich neues, mit gängigen Methoden nicht zugängliches Deutungswissen erschließen. Doch bei der siderischen Astrologie fehlt es mir oftmals an Logik und Konsequenz. »Zurück zu den Sternen« benennt Rafael Gil Brand sein interessantes Plädoyer für den siderischen Zodiak im Themenschwerpunkt dieser Ausgabe. Dennoch arbeitet auch er mit zwölf gleich großen Zeichen, obwohl doch die realen Sternbilder unterschiedlich groß sind. Denn das Sternbild Jungfrau ist zum Beispiel mehr als doppelt so groß wie das Sternbild Krebs. Folglich hat auch der siderische Zodiak mit den eigentlichen »Sternen« nichts gemein. Lediglich sein Anfangspunkt ist auf einen Fixstern bezogen, doch auch der ist keineswegs so eindeutig bestimmt, wie siderische Astrologen uns glauben machen wollen.

In ihrem Beitrag »Wenn der Widder mit dem Fischschwanz wackelt« gehen Alois Treindl und Dieter Koch dieser Problematik nach. Die Verschiebung zwischen den beiden Messkreisen wird Ayanamsha genannt – und es klingt nicht besonders logisch, dass inzwischen mehr als zwanzig Ayanamshas bekannt sind. Es scheint schon fast zum guten Ton eines siderischen Astrologen zu gehören, sein »eigenes« Ayanamsha zu verwenden – eine Situation, die einer gewissen Willkür nicht entbehrt.

Ferner käme wohl niemand auf die Idee zu behaupten, ein Euro sei gleich einer D-Mark oder 20° Celsius seien das Gleiche wie 20° Fahrenheit. Jedes etwas reifere Schulkind würde hier anmerken, dass zuerst eine Umrechnung erfolgen müsste, um zwei Werte miteinander vergleichen zu können, die auf unterschiedlichen Maßeinheiten beruhen. In der siderischen Astrologie wird Widder jedoch als Fische gedeutet. Auf eine »Umrechnung« bei der Deutung wird großzügig verzichtet. Und in 2.000 Jahren wird Widder als Wassermann gedeutet, weil sich Tierkreis und Sternbilder dann um ein weiteres Zeichen verschoben haben werden. Ich kann darin beim besten Willen keine nachvollziehbare Logik entdecken. Falls es Ihnen anders ergehen sollte, würde ich mich über eine fruchtbare Diskussion sehr freuen.

Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre.

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