|
|
Planeten-Rätsel

Von und mit Dr. Gotthelf Besserweiß

Aus dem Tagebuch eines Beraters
Es gibt Menschen, die haben immer wieder das Gefühl, vor dem Nichts zu stehen. Ihre tief sitzende Angst vor dem Tod führt immer wieder zu radikalen Zusammenbrüchen. Es scheint fast so, als hätten sie eine masochistische Lust am Untergang. Diese Menschen werden sich solange immer wieder in den Ruin treiben, bis sie aufhören, sich an falsche Sicherheiten zu klammern. Insgeheim wissen sie natürlich längst, dass nichts für die Ewigkeit geschaffen ist. Doch erst wenn es ihnen gelingt, in jedem Ende einen neuen Anfang zu sehen, werden sie es schaffen, freiwillig die eigenen Lebensstrukturen immer wieder zu wandeln und zu erneuern.
Ohne den Mut, immer wieder ganz von vorne anzufangen, werden diese Menschen im Leben nicht bestehen können. Sie müssen zum Kern der Dinge vordringen und herausfinden, was wirklich Substanz hat. Erst wenn sie im ewigen Wandel das Beständige erkennen, werden sie inneren Halt und Sicherheit finden.
Diese Menschen sind nicht für sanfte Übergänge geschaffen. Sie lieben den radikalen Wechsel, ohne Netz und doppelten Boden, und wenn sie einen Schlussstrich ziehen, dann sollte nichts übrigbleiben, mit dem eine neue Rechnung aufgemacht
werden könnte. Es ist ihre Aufgabe, altes Karma aufzulösen und aus längst überholten Sicherheiten auszusteigen. Doch leider zerstören sie manchmal genau das, was sie eigentlich tragen und stützen könnte.
Das Leben dieser Menschen ist meist von Schicksalsschlägen geprägt, denen mit naiven und seichten esoterischen Halbwahrheiten wie: »Jeder bekommt, was er verdient« nicht beizukommen ist. Denn sie wissen wirklich, was es heißt, wenn kollektive Verdrängungen ihre zerstörerische Spur durch das Leben willkürlich ausgesuchter Opfer ziehen, und sie wollen von niemandem hören, dass es ihre Schuld sei, dass es meist sie und nicht andere trifft. Mit dieser Art von Denken treiben sie sich ohnehin schon viel zu sehr selbst in den Ruin, da können sie niemanden brauchen, der ihnen mit dem Gott-ist-gerecht-Mythos noch eins draufgibt.
Wie können diese nicht selten am Boden zerstörten Menschen in der Tiefe ihrer Seele jenen Halt finden, der ihnen Mut gibt, immer wieder neu anzufangen? Sie müssen lernen, dass angesichts des Todes nur das Bestand hat, was sie in ihrem Leben hinter sich gelassen haben.
Wenn sie das nicht einsehen, laufen sie Gefahr, böse zu enden, und genau davor haben diese Menschen am meisten Angst, obwohl sie die einzigen sind, die diese Wahrheit mit unerbittlicher Konsequenz und Radikalität zu leben vermögen. Sie müssen sterben lernen, um leben zu können, und das müssen wir alle letztendlich auch, oder etwa nicht?
»Mein lieber Besserweiß, wann kommt der Dritte Weltkrieg?«
»Ihre Angst ist unbegründet.«
»Aber bereits Nostradamus hat gesagt, dass er bald kommt.«
»Ihre Angst ist trotzdem unbegründet.«
»Aber was ist, wenn Terroristen unser Trinkwasser vergiften?«
»Auch diese Angst ist unbegründet.«
»Aber Ängste sind doch wichtig. Sie warnen uns vor Gefahren.«
»Mag sein, aber die größte Gefahr für das Leben eines Menschen ist seine Angst vor dem Tod.«
»Aber keine Angst zu haben, kann doch erst recht tödlich sein.«
»Genau. Aber es stirbt sich besser
ohne Angst.«
»Aber warum müssen wir denn sterben?«
»Vielleicht, weil wir ohne die Angst vor dem Tod nicht leben können.«
»Sie widersprechen sich.«
»Das ist ein Zeichen, dass ich noch lebe.«
»Warum?«
»Der Tod duldet keine Widerspruch.«
»Mir scheint, wir sind am Ende.«
»Dann lassen Sie uns Schluss machen.«

|